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Schauspielhaus Bochum

Dienstag • 09/03/2021 • 20:00 Uhr • Stadtsaal
Gift. Eine Ehegeschichte

Inszenierung: Johan Simons

Es ist Sylvester. Wortlos verlässt ein Mann seine Frau. Sie bleibt allein, er findet eine Neue. Eine Trennung wie so viele? Mitnichten, denn es war der tragische Unfalltod ihres Sohnes, der sie auseinanderbrachte und sie nach zehn Jahren an dessen Grab wieder zusammenführt. Er wollte Tod und Trauer hinter sich lassen, sie ist geblieben, noch immer voller Trauer und Schmerz, den sie mit Tabletten zu betäuben sucht.

Unsicher suchen sie in der Wartehalle des Friedhofs nach einem Platz. Sie halten Abstand, wechseln nervös die Stühle und nähern sich, als die verletzte Frau ihre Beherrschung verliert. Mal hysterisch, mal bockig, mal zynisch, mal leidend überzieht sie ihren Exmann und die Welt mit verzweifelten Vorwürfen, bleibt aber immer so verletzlich, dass man sie trösten möchte, während sich der Mann gegen die Vorwürfe wehrt und den eigenen Schmerz verdrängt, bis seine Gefühle auch ihn übermannen und sich beide der gemeinsamen Vergangenheit stellen müssen. Hin und hergerissen zwischen Angriff und Aussprache suchen sie ihre Entfremdung zu überwinden. Alte Beziehungsmuster holen sie ein. Ängste, Wut, Verletzungen, Trauer und Hoffnungen brechen sich Bahn.

Einfühlsam und subtil lotet der ehemalige Kammerspiel-Intendant Johan Simons die Seelenabgründe der Figuren aus. Wie Elsie de Brauw und Steven van Watermeulen uns diese Menschen mit beredten Gesten und feinen, sprachlichen Zwischentönen nahebringen, in ihren Rollen Intimität und Verletzlichkeit zulassen, ist große, berührende Schauspielkunst. Frappierend dicht und intensiv durchleben sie die Wiederbegegnung mit dem Tod und dem (neuen) Leben. Wenn das Wiedersehen mit geschickt inszenierten Zuspitzungen seinem Höhepunkt zutreibt, wenn sich das tragisch gescheiterte Paar eingestehen muss, dass sie zuerst ein Kind, dann sich selbst und schließlich einander verloren haben, lassen Momente des Verstehens und Verzeihens auch tröstliche Hoffnungen auf ein Leben danach aufkommen.

„Ein unglaubliches Theatererlebnis“ (Theater pur)

„Die hinreißende Besetzung und die sensible Regie wirken so authentisch als wäre sie aus dem Leben gegriffen“ (Recklinghäuser Zeitung)

Für die Rolle der Frau in dieser mehrfach preisgekrönten Inszenierung wurde Elsie de Brauw in den Niederlanden als beste Schauspielerin ausgezeichnet.