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Burgtheater Wien

Freitag • 05/02/2021 • 20:00 Uhr • Stadtsaal
Wer hat Angst vor Virginia Woolf?

Inszenierung: Martin Kusej

In einer Zeit, in der erzkonservative Werte, rücksichtloses Erfolgsstreben und Angst vor sozialem Abstieg um sich greifen, wird Albees berühmtes Ehedrama zum Brennspiegel einer egoistischen, verunsicherten Mittelstandsgesellschaft.

Es ist zwei Uhr morgens. Geschichtsdozent George und seine Frau Martha kommen von einem Empfang beim Uni-Direktor, dem Vater Marthas. Da stehen der junge Biologieprofessor Nick und seine Frau Honey vor der Tür, die Martha zu einer nächtlichen Afterparty eingeladen hat. Karrierist Nick möchte sich bei der Tochter des Chefs einschmeicheln. Er und Honey ahnen nicht, dass sie Zeugen und Mitspieler einer Eheschlacht werden, die mit zunehmendem Alkoholkonsum immer heftigere Formen annimmt. Beginnend mit kleinen Gemeinheiten entwickelt sich Martha zur Furie. Ungeheuer intensiv und wandlungsfähig verkörpert Bibiana Beglau diese Frau. Mit demütigenden, privaten Enthüllungen demontiert sie ihren Mann als beruflichen Versager. Mit entblößter Schulter spielt sie die Verführerin, mit beißendem Humor entlarvt sie die Lebenslügen der anderen, mit Hingabe lebt sie ihre Exzesse aus, mit berührender Verletzlichkeit erleidet sie Niederlagen und Enttäuschungen. Als verhöhnter, aber auch begehrter Ehemann erweist sich Norman Hackers George als treffsicherer Zyniker und raffinierter Manipulator, der anderen Geheimnisse zu entlocken weiß, die er dann gnadenlos gegen sie einsetzt. Im intellektuellen Kampf mit ihm schrumpft Nick (Johannes Zirner) zum geistigen Zwerg, beim Sex mit Martha erlebt er sein männliches Waterloo, für das er sich mit abfälligen Äußerungen an seiner Gattin Honey (Nora Busalka) rächt, die darauf mit Kotzattacken reagiert, schließlich aber mutig der bitteren Wahrheit ins Auge blickt.

Auf einem schmalen Steg, vor dem sich ein Abgrund aus zerbrochenen Gläsern und zerplatzten Träumen auftut, inszeniert Martin Kusej die verstörenden Beziehungsspiele als gefährlichen Drahtseilakt, bei dem auch tiefe Verletzungen und brennende Sehnsüchte nach menschlicher Nähe zutage treten.

„Ein ebenso intimes wie schonungsloses Ehedrama als grandioses Scherbengericht, dem sich kein Zuschauer entziehen kann“ (TAZ)

„Es ist atemberaubend, mit welcher Leidenschaft und Gefährlichkeit Hacker und Beglau dieses Paar spielen, das gemeinsam in Verzweiflung versinkt und doch nicht voneinander lassen kann“ (Kleine Zeitung)